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Archive for Februar 2012

Therme Vals: Zumthor soll das Rennen machen

29. Februar 2012 Kommentare aus

Bereits  vor drei Jahren war die berühmte Valser Therme in die Schlagzeilen geraten, weil sich die Gemeinde entschlossen hatte, sie kurzerhand zu verkaufen. Schon damals ging es darum, den Gemeindesäckel durch den kombinierten Verkauf von Therme und nahegelegem Hotel zu entlasten. Tatsächlich zeichnete sich ab, dass die als Eigentümer figurierende Gemeinde die anstehenden Millionen-Investitionen in die Infrastruktur nicht würde aufbringen können. Die in der Folge sich entfaltende Kontroverse um die Zukunft des Wahrzeichens entwickelte sich zu einem Tauziehen verschiedener Investoren, in das sich auch eine von Peter Zumthor ins Leben gerufene Initiative einmischte. Außerdem im Rennen der Churer Immbolienunternehmer Remo Stoffel und der Valser Steinbruch-Besitzer Pius Truffer, die sich inzwischen zu einem gemeinsamen Angebot eingefunden haben. Bis jetzt konnte allerdings keine Einigung darüber gefunden werden, welche der Parteien den Zuschlag bekommen soll.

Inzwischen ist wieder Bewegung in die Sache gekommen. Gemeindepräsidentin Margrit Walker-Tönz kündigte am heutigen Mittwoch in Chur an, dass man auch angesichts der nachgebesserten Angebote Zumthors Interessengemeinschaft den Zuschlag geben wolle. Demnach bietet Zumthors IG 5,6 Millionen Franken für Therme und Hotel  und stellt weitere 45 Millionen für ein von Zumthor entworfenes, neues Thermen-Hotel in Aussicht. Das Angebot des Immobilienunternehmers Stoffel beläuft sich derweil auf eine Million Franken für die Therme und einen Hotelneubau für 50 Millionen. Bleibt zu bemerken, dass die Gebote für das Bad weit unter dem liegen, was das prestigeträchtige Gebäude einst gekostet hatte. Freilich, ihr Wert als Architektur-Ikone und Kultur-Pilger-Magnet ist in Fachkreisen weiterhin unbestritten, zumal für eine beschauliche Graubündener Talgemeinde.

Mittlerweile seien die Angebote erhöht worden (Zumthor 7,1 / Stoffel 1,8 Mio.). Darüber hinaus werfen die beiden Investorengruppen den bau zusätzlicher Gebäude in die Wagschale, die das architektonsich reizvolle Gebäude um eine Ensamble erweitern dürften. Vor diesem Hintergrund ist die Gemeinde der Ansicht, dass Zumthors Angebot den Bedürfnissen der Gemeinde besser entspreche. Zudem wird die Person Zumthors für den künftigen Erfolg des ambitionierten Projekts als bedeutsam eingeschätzt.Die entscheidene Sitzung des Gemeidnerats ist für den 9. März anberaumt. Es bleibt also weiterhin spannend, ob der international anerkannte Architekt hier die seltene Gelegenheit erhält, aus einer Hand einen ganzen Komplex qualitativ hochwertiger Architektur zu verwirklichen.

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Erstmals chinesischer Architekt mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet

28. Februar 2012 Kommentare aus

Pritzker-Preis 2012 geht an Wang Shu

Mit der Auszeichnung Wang Shus (48) erhält erstmals ein chinesischer Architekt den renommiertesten Architekturpreis der Welt. Die Verleihung findet am 25. Mai in Peking statt. Wang Shu ist seit 1997  Inhaber eines gemeinsam mit seiner Frau Lu Wenyu gegründeten Architekturbüros, das in Anspielung auf den Wert architektonischen Handwerks den provokativen wie programmatischen Namen Amateur Architecture Studio trägt. Seit einigen Jahren fällt das Büro bereits mit spektakulären Neuinterpretationen einer traditionbewussten Architektur im internationalen Architekturpanorama auf. Die Archaik ihrer Bauten reflektiert dabei unweigerlich Bezüge zum reichen chinesischen Bauerbe.

„For myself, being an artisan or a craftsman, is an amateur or almost the same thing.“ Wang Shu zit.n. Pritzker Media Kit.

Bereits 2007 wurde Wang Shu einer größeren Öffentlichkeit bekannt, als er mit dem Global Award for Sustainable Architecture ausgezeichnet worden ist. 2010 wurde der Beitrag des Büros  zur Biennale in Venedig – eine Selfmade-Holzkuppel – mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet.

Die diesjährige Vergabe des Pritzker-Preises steht somit voll im Zeichen der Nachhaltigkeit, wobei das Thema der Tradition und ihrer Neuinterpretation sichtlich an Bedeutung gewonnen hat. Die Architektur Wang Shus verkörpert die Sehnsucht überkommene Bautechniken und Baumaterialien mit Glas und Stahlbeton in Einklang zu bringen. Damit würdigt das Pritzker-Komitee erneut einen Architekten, dessen Programmatik auf die Wiederbelebung traditioneller Architekturwerte fokussiert ist. Bereits im Jahre 2002 wurde mit dem Australier Glenn Murcutt ein Architekt ausgezeichnet, dessen Schwerpunkt auf einem behutsamen, in Material und Technik reflektierten Umgang mit Ort und Identität liegt.

Zu den bisher bedeutensten Bauwerken des Büros gehören die Bibliothek der Universität Suzhou in Wenheng, ein großteils eingegrabener Gebäudekomplex, der sich in die umgebende Landschaft einfügt und mit der Nutzung regenerativer Energiequellen überzeugt;  der Xiangshan-Campus der China Academy of Art in Huangshou, für dessen Dach mehr als 2 Mio. Fliesen aus abgerissenen Gebäuden wiederverwendet worden sind; sowie das Museum für zeitgenössische Kunst in Ningbo, für das unterschiedlichster Abraum und Bauschutt wiederverwendet worden ist.

Wang Shus Architektursprache wird von der Klarheit der Formen und Einfachheit der Strukturen charakterisiert. Shu vereint skulpturale Schöpfungskraft mit einer originellen, mituner überraschenden Fähigkeit zur Transformation vorgefundener und tradierter Motive. Funktionalität und strukturelle Logik, so das Jury-Mitglied Juhani Pallasmaa, verbänden sich in Shus Arbeit mit einer aus der chinesischen Tradition widerhallenden mythischen und mystischen Gabe. In diesem Sinne steht sie für einen besonders bewussten, bereichernden Umgang mit dem regionalen Bauerbe unter Einbeziehung der synergischen Qualitäten, die der sensible Umgang mit den Ressourcen bereit hält. Insbesondere die Verwendung von Bauschutt – per se nicht neu in der modernen Architektur – stellt dabei markante Bezüge zur Umwelt und der Lebenswirklichkeit einer in stetigem und heftigem Wandel begriffenen Kultur. Sie steht mit ihrem Plädoyer für die Wertschätzung regionaler Besonderheiten, mit ihrer ausgeprägten Sensibilität für den kulturellen und natürlichen Kontext – ihrer tiefen Verwurzelung – gleichsam für einen Gegenentwurf zur entgrenzten parametrischen Architektur des digitalen Zeitalters.

Mit der Auszeichnung Wang Shus, so Thomas J. Pritzker – dessen Familie den Preis ins Leben gerufen hat – , konstatiere das Pritzker-Komitee die Bedeutung des modernen Chinas für die Entwicklung der Architektur unserer Zeit.

Das andere Rom

26. Februar 2012 Kommentare aus
Giovanni Guerrini, Ernesto La Padula und Mario Romano: Palazzo della Civiltà Italiana (1937-53). Foto: Privat.

Giovanni Guerrini, Ernesto La Padula und Mario Romano: Palazzo della Civiltà Italiana (1937-53). Foto: Privat.

Rom … Rom ist nicht einfach nur eine große, bekannte Stadt – Rom, so heißt es, ist eine Idee, eine einmalige Idee von Stadt, obwohl sie keinem klaren städtebaulichen Gedanken folgt und auch sonst erscheint sie eher als ein wirres Sammelsurium anstatt als eine strukturierte Metropole. Manche sagen, Rom sei im Vergleich mit den Megastädten dieser Welt einfach nur ein großes Dorf, das 1871 zufällig Hauptstadt geworden und deshalb überhaupt noch relevant sei. Streift man jedoch aufmerksam durch die mitunter verwundenen Straßen und Gassen dieser Stadt wird dem Betrachter schnell bewusst, dass hier Jahrtausende menschlichen Kollektivgedächtnisses nebeneinander vergraben beziehungsweise aufgebaut sind und weiterleben.

Rom, das ist natürlich die Stadt der Antike, der jungen Republik und des mächtigen Kaiserreiches. Rom, das ist aber auch die Stadt der Päpste, die seit Kaiser Konstantin dem Großen und insbesondere seit dem Barock, der hier in Rom mit den großen Könnern Michelangelo, Bernini und Borromini seinen Anfang genommen hat, der Stadt ein monumentales Gepräge gegeben haben, das die Traditionen der Antike fortführt und im 20. Jahrhundert von den Faschisten Mussolinis wieder aufgegriffen worden ist. Folglich ist Rom auch die Stadt des Faschismus, wie man an vielen verteilten Stellen der Stadt und insbesondere im für die Weltausstellung 1942 geplanten Quartier EUR heute noch sehen und spüren kann. Dass diese Geschichte allerdings noch lange nicht zuende ist, zeigt uns die aktuelle politische Verfasstheit Italiens, in der neofaschistische und nationalistische Akteure in Rom wieder das Sagen haben.

Zaha Hadid erhält Auftrag im Irak

2. Februar 2012 Kommentare aus

v.l.n.r.: Sinan Al-Shabibi, Zaha Hadid, Muhielddin Hussein Abdullah. Foto: Luke Hayes.

Die international renommierte Architektin Zaha Hadid (51) wurde beauftragt, den neuen Hauptsitz der irakischen Zentralbank zu entwerfen. Am 2. Februar unterschrieb sie hierfür einen Vertrag mit der von Sinan al Shabibi vertretenen Bank. Gegründet wurde die Zentralbank noch unter König Faisal II. im Jahre 1947. Die Beauftragung anerkannter Architekten hat derweil Tradition. So wurde das bisher als Hauptsitz genutzte Gebäude von den dänischen Architekten Dissing+Weitling – dem Nachfolgebüro von Arne Jacobsen – entworfen und 1985 fertiggestellt. Das neue Hauptgebäude soll in Bagdad am Ufer des Tigris in exponierter Lage entstehen. Dabei wird Zaha Hadid ein internationales Team von Planern anführen. Das neue Gebäude soll, so al Shabibi, zum Symbol des wirtschaftlichen Aufschwungs seines Landes werden und zugleich demWiederaufbau Ausdruck verleihen. Die in Bagdad geborene Londoner Architektin zeigte sich derweil sichtlich gerührt: „Dass man mich gefragt hat, den Hauptsitz der irakischen Zentralbank zu entwerfen berührt mich zutiefst. Ich wurde im Irak geboren und fühle mich dem Land immer noch sehr verbunden. Es ist mir eine Ehre, im Irak an einem so symbolträchtigen Projekt mitwirken zu können.“