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Erstmals chinesischer Architekt mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet

28. Februar 2012

Pritzker-Preis 2012 geht an Wang Shu

Mit der Auszeichnung Wang Shus (48) erhält erstmals ein chinesischer Architekt den renommiertesten Architekturpreis der Welt. Die Verleihung findet am 25. Mai in Peking statt. Wang Shu ist seit 1997  Inhaber eines gemeinsam mit seiner Frau Lu Wenyu gegründeten Architekturbüros, das in Anspielung auf den Wert architektonischen Handwerks den provokativen wie programmatischen Namen Amateur Architecture Studio trägt. Seit einigen Jahren fällt das Büro bereits mit spektakulären Neuinterpretationen einer traditionbewussten Architektur im internationalen Architekturpanorama auf. Die Archaik ihrer Bauten reflektiert dabei unweigerlich Bezüge zum reichen chinesischen Bauerbe.

„For myself, being an artisan or a craftsman, is an amateur or almost the same thing.“ Wang Shu zit.n. Pritzker Media Kit.

Bereits 2007 wurde Wang Shu einer größeren Öffentlichkeit bekannt, als er mit dem Global Award for Sustainable Architecture ausgezeichnet worden ist. 2010 wurde der Beitrag des Büros  zur Biennale in Venedig – eine Selfmade-Holzkuppel – mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet.

Die diesjährige Vergabe des Pritzker-Preises steht somit voll im Zeichen der Nachhaltigkeit, wobei das Thema der Tradition und ihrer Neuinterpretation sichtlich an Bedeutung gewonnen hat. Die Architektur Wang Shus verkörpert die Sehnsucht überkommene Bautechniken und Baumaterialien mit Glas und Stahlbeton in Einklang zu bringen. Damit würdigt das Pritzker-Komitee erneut einen Architekten, dessen Programmatik auf die Wiederbelebung traditioneller Architekturwerte fokussiert ist. Bereits im Jahre 2002 wurde mit dem Australier Glenn Murcutt ein Architekt ausgezeichnet, dessen Schwerpunkt auf einem behutsamen, in Material und Technik reflektierten Umgang mit Ort und Identität liegt.

Zu den bisher bedeutensten Bauwerken des Büros gehören die Bibliothek der Universität Suzhou in Wenheng, ein großteils eingegrabener Gebäudekomplex, der sich in die umgebende Landschaft einfügt und mit der Nutzung regenerativer Energiequellen überzeugt;  der Xiangshan-Campus der China Academy of Art in Huangshou, für dessen Dach mehr als 2 Mio. Fliesen aus abgerissenen Gebäuden wiederverwendet worden sind; sowie das Museum für zeitgenössische Kunst in Ningbo, für das unterschiedlichster Abraum und Bauschutt wiederverwendet worden ist.

Wang Shus Architektursprache wird von der Klarheit der Formen und Einfachheit der Strukturen charakterisiert. Shu vereint skulpturale Schöpfungskraft mit einer originellen, mituner überraschenden Fähigkeit zur Transformation vorgefundener und tradierter Motive. Funktionalität und strukturelle Logik, so das Jury-Mitglied Juhani Pallasmaa, verbänden sich in Shus Arbeit mit einer aus der chinesischen Tradition widerhallenden mythischen und mystischen Gabe. In diesem Sinne steht sie für einen besonders bewussten, bereichernden Umgang mit dem regionalen Bauerbe unter Einbeziehung der synergischen Qualitäten, die der sensible Umgang mit den Ressourcen bereit hält. Insbesondere die Verwendung von Bauschutt – per se nicht neu in der modernen Architektur – stellt dabei markante Bezüge zur Umwelt und der Lebenswirklichkeit einer in stetigem und heftigem Wandel begriffenen Kultur. Sie steht mit ihrem Plädoyer für die Wertschätzung regionaler Besonderheiten, mit ihrer ausgeprägten Sensibilität für den kulturellen und natürlichen Kontext – ihrer tiefen Verwurzelung – gleichsam für einen Gegenentwurf zur entgrenzten parametrischen Architektur des digitalen Zeitalters.

Mit der Auszeichnung Wang Shus, so Thomas J. Pritzker – dessen Familie den Preis ins Leben gerufen hat – , konstatiere das Pritzker-Komitee die Bedeutung des modernen Chinas für die Entwicklung der Architektur unserer Zeit.

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