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Archive for November 2012

FDR Four Freedoms Park – 40 Jahre später

20. November 2012 Kommentare aus
Louis I. Kahn: F.D. Roosevelt Memorial, 1973. Quelle: McCarter 2010, S. 437.

Louis I. Kahn: F.D. Roosevelt Memorial, 1973. Quelle: McCarter 2010, S. 437.

Am 24. Oktober 2012 war es soweit, das auf Louis Kahns Entwurf zurückgehende Franklin-Delano-Roosevelt-Memorial wurde für die Öffentlichkeit geöffnet. Die Entwürfe waren in den Jahren 1973 und 1974 entstanden, wegen des Todes des Architekten und zahlreicher anderer missgünstiger Umstände jedoch bis heute nicht umgesetzt worden. Jetzt, fast vierzig Jahre später, prangt das steinerne Zeugnis aus tonnenschweren Granitblöcken an der Spitze von Roosevelt Island in New York. Mit millimetrischer Präzision bilden gewaltige Granitblöcke einen auratischen Raum, hinter dessen Wänden die Skyline der Megacity zur Nebensache degradiert, stattdessen der Blick frei wird auf den Fluss, die Brücken, den Himmel. An diesem Ort des Gedenkens, des Gedenkens an Roosevelts wegweisender Rede über die Freiheit am Vorabend des amerikanischen Kriegseintritts im Jahre 1941. Die Freiheit der Rede und der Meinungsäußerung, die Freiheit des religiösen Bekenntnisses, die Bewahrung vor Not und die Befreiung von Furcht als Grundlagen einer dauerhaften demokratischen Ordnung sind hier wie damals verewigt. In einem spitz zulaufenden Park wird der Besucher durch baumgesäumte Alleen geführt und dem Trubel der Stadt entzogen.

Kahn inszenierte den Park als kontemplativen Weg hin zu dem einen Ziel, das sich in einem offenen Raum mit der Natur zu einem einzigen Erlebnis verschmilzt. Auf der einen Seite eine Monumentalität, die in der Harmonie der Proportionen und Einfachheit der Materialwahl, der Symmetrie der Anlage und dem rigiden Direktionismus ihrer Geometrie gegen die schiere Massigkeit der Wolkenkratzer besteht und auf der anderen Seite, die Architektur der Stille, des Insichgehens, der Kahn bei so vielen Gelegenheiten Ausdruck verliehen hat. Der aus seinem Dornröschenschlaf erwachte Entwurf und das wie im Märchen nun glücklich zuende geführte Projekt sind uns heute eine Lehre über die Größe der Einfachheit, die Würde des Gedenkens und die Relation von Natur und Architektur. Einer Architektur, die das eigene Selbst erweitert und einer Natur, die im Garten eines Parks zu einer ganz und gar persönlichen Natur verdichtet wird.

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Gae Aulenti: Architektin des Neoliberty

1. November 2012 Kommentare aus

Gaetana ‚Gae ‚Aulenti (1927-2012) gehörte zu den wenigen Frauen unter den Architekten, die seit den 1950er Jahren maßgeblich an der Modernisierung der italienischen Architektur mitgewirkt haben. Dabei vertrat sie immer den Standpunkt eines reflektierenden Umgangs mit den tradierten architektonischen Werten. Ihre Werke, zu denen zahlreiche Renovierungen und Neuordnungen baugeschichtlich bedeutsamer Ensembles gehören (z.B. Castello Estense in Ferrara), führen den Ansatz des ambientalismo fort, also der behutsamen Anpassung an das gebaute Umfeld, ohne jedoch zeitgemäße Einflüsse auszublenden. Als Gegenpol zum Rationalismus, der von einflussreichen Architekturhistorikern wie etwa Bruno Zevi zum Kardinalweg erhoben worden ist, gehörte sie der Strömung des Neoliberty an. Damit vertrat sie eine architektonische Tendenz, die sich auf die in Italien ohnehin nur sehr schwach ausgeprägte Tradition des Jugendstils (Stile Liberty) berief. Stilistisch drückt sich dies vor allem auch in ihrer Vorliebe für florale Motive aus. Sie selbst bekannte ihre Auffassung wonach jede Architektur in engster Verbindung zum städetbaulichen Kontext stehen müsse, ja dass dieser sogar die Architektur erzeuge.  Es ging ihr dabei darum, die Vielfalt der urbanen Realität in den begrenzten Raum einer Architektur zu übertragen. Entsprechend beschäftigte sie sich hauptsächlich mit Umbauten, Renovierungen und Neuordnungen sowie städtebaulichen Projekten der urbanen Requalifikation. Ihre Entwürfe waren, wie Giorgio Napolitano bemerkte, geprägt von großer Sensibilität für das Vorgefundene. Für die in Italien allgegenwärtigen Fragen des recupero und des restauro hat sie wichtige Beiträge geleistet.

Als Mitarbeiterin in Ernesto Nathan Rogers Casabella-Continuità gehörte sie zur legendären Redaktion, der auch Aldo Rossi und andere Protagonisten der italienischen Architekturdebatte in jungen Jahren angehörten. Zudem war sie Lehrstuhlassistentin Giuseppe Samonàs in Venedig (IUAV) und anschließend bei Rogers am Polytechnikum in Mailand.

Zu ihren wichtigsten Werken gehören die Ausstattung des Musée d’Orsay in Paris (1986), der Umbau des Palazzo Grassi in Venedig (1986) und der Neubau des italienischen Kulturinstituts in Tokyo (2006). Außerdem war Gae Aulenti auch als Möbeldesignerin tätig. Ihre bekanntesten Werke sind die Sedia da Giardino (1964) und ein Glastisch mit Rollen (1980). Als Künstlerin entwarf sie unter anderem die Skulptur Ago, Filo e Nodo (2000) für den Piazzale Cadorna in Mailand.

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