Paving the world – von Menschenhand geschaffen

Selten hat ein Werbespot so suggestiv eine Botschaft vermittelt, die über den bloßen Wert des beworbenen Gegenstandes hinausreicht. Der Schweizer Luxusuhrenhersteller OMEGA verspricht nichts weniger, als das perfekteste mechanische Antriebswerk aller Zeiten. Der kreative, im Frühjahr 2013 erschienene Werbefilm taucht den Zuschauer in eine faszinierende Welt der mechanischen Technologie. Man beginnt seine Reise im Rhythmus eines Uhrwerks, um dann in eine faszinierende wie visionäre Unterwasserwelt überzugleiten. Menschen die schwimmen, bunte Fische und schließlich eine rasante Yacht im Wind, das ist die Botschaft, Aufbruch und Fortschritt seit Menschengedenken; unaufhaltsam getrieben die Menschheit an die Ufer einer virtuellen venezianischen Stadt gespült, begleitet die Mechanik eines Uhrwerks einen Fahrzeugklassiker, um dann auf den Takt der Radfahrer überzugehen, – in einem Stadion, das Blicke freigibt auf eine gewaltige Metropolis, nur um sich zuletzt als ein gigantisches Zifferblatt zu entpuppen unter dem wieder das Wunder der Mechanik zum Vorschein kommt, von dem der Hersteller so viel verspricht. Nicht zuletzt dank der musikalischen Untermalung versprüht der Spot ein Pathos, fühlt man sich per Zeitreise in die Zukunft einer hollywoodreifen Welt versetzt. Der Film macht Lust auf ein Mehr, ist so reich an fantasievollen Bildern, die das mechanische mit dem Virtuellen der digitalen Welt zelebrieren. Wahrlich selten, gab ein Commercial so viel Anlass zum Träumen, aber auch zum Nachdenken: Denn was mag geschehen, wenn der Mensch immer mehr Fläche versiegelt, immer mehr Luft umbaut und irgendwann vielleicht sogar den Grund des Meeres erobert?

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Vom Palast der Republik zur Berliner Mauer, das Stutzen deutsch-deutscher Mahnmale bleibt in

Im Umgang mit den Mahnmalen der deutsch-deutschen Geschichte hatte man sich ja schon zu Zeiten des Berliner Stadtschlossdebatte nicht sonderlich sensibel gezeigt. Dass der Palast der Republik einer baulichen Persiflage weichen musste, war schon in den 1990er Jahren Ausdruck eines unreflektierten Umgangs mit dem baulichen Erbe der DDR. Nun, damals gab man einem absurden Bauprojekt freien Lauf, weil es die West-Siegermentalität, die bis heute die Aufarbeitung der deutsch-deutschen Geschichte verzerrt, lieber nach einem alten preußischen Bild dürstete, als nach einem kritischen und differenzierten Umgang mit der Tatsache, dass das Land und die Menschen jenseits der Grenze auch eine Geschichte zu erzählen haben. Dabei fiel es leicht, die leicht brandmarkbaren Zeugnisse der DDR wegzuwischen und an deren Stelle die Insignien des Kapitalismus zu platzieren. Es wäre vergleichsweise einfach gewesen, den millionenschwer sanierten Palast der Republik für ein architektonisch raffiniertes Dokumentations- und Begegnungszentrum zu nutzen, wenn man nur gewollt hätte.

Mauerfall: Berliner Mauer zwischen Reichstagsgebäude und Brandenburger Tor, 1989. Quelle: Wikicommons.

Mauerfall, 1989. Quelle: Wikicommons.

Inzwischen sind annähernd zwanzig Jahre vergangen und es hat sich an der Mentalität offenbar nichts geändert. Der als East Side Gallery bezeichnete Rest der Berliner Mauer ist keineswegs ein Objekt von geringem städtischen Interesse, – im Gegenteil, er ist ein beklemmender Rest Geschichte, dessen leichtfertige Gefährdung das ganze Land betrifft. Zwar ist es ärgerlich, ja geschmacklos, dass einem nichts Besseres eingefallen ist, als die letzten Reste der Berliner Mauer mit Graffitis zu besprühen und sie dadurch zum Pop-Art-Fetisch zu stilisieren, doch ist es geradezu widersinnig dieses geschichtlich einzigartige Mahnmal zu verstümmeln. Sicher wäre über eine geringere Ausdehnung und eine dem Wesen eines Mahnmals gerechtere, geschichtskritischere Aufbereitung der Mauer zu diskutieren; sie aber für ein Investorenprojekt nach Notwendigkeit einzureißen, zu kitten, zu überbrücken oder was sonst noch mit ihr zu tun ist falsch. Nicht zuletzt ist die Berliner Mauer auch in bautypologischer Hinsicht ein unter den Mahnmalen dieser Welt beispielloses Bauwerk. Es könnte, geschickt inszeniert, ein so viel bedeutenderes Monument des Kollektivgedächtnisses sein, als manch‘ anderes sogenanntes Denkmal.