Baukulturelle Qualitäten in Schwäbisch Hall erhalten und ausbauen

Überlegungen zur gescheiterten Wahl des Baubürgermeisters

Wenn die zuletzt gescheiterte Wahl des Baubürgermeisters etwas gezeigt hat, dann dass der eingeschlagene Weg vielleicht nicht der richtige ist oder dass zumindest Alternativen in Betracht gezogen werden müssen. Denn eine Stadt wie Schwäbisch Hall, die auf eine bemerkenswerte Bausubstanz blicken kann, braucht keinen weiteren verwaltungstechnischen Sachverstand mit bestenfalls architektonischer Vorbildung. Statt eines bautechnokratischen Oberverwalters braucht unsere Stadt vielmehr einen politisch, strukturell und örtlich unabhängigen und sowohl in Wissenschaft als auch selbstständiger entwerferischer Praxis und Architekturvermittlung auf höchstem Niveau qualifizierten Experten mit nachgewiesener Sensibilität für alte Bausubstanz und deren angemessenen Rolle in einer modernen Stadt. Also warum nicht einen stadtgestalterischen und baukulturellen Berater mit den Qualitäten eines Arno Lederer, Max Dudler oder Georg Franck für die Stadt gewinnen, anstatt eine weitere gutbesoldete Verwaltungsstelle zu schaffen, deren auf die Verwaltungslaufbahn fokussiertes Profil kaum Qualitätsgewinne vermuten lässt. Denkbar wäre freilich auch die Schaffung eines Gremiums oder eine Kombination aus unabhängigem externem Berater und Stadtbaumeister. Gewiss ist, dass es genügend stadteigene Kompetenz in Sachen Baurecht und Gestaltungssatzung gibt. Deshalb geht es bei der baukulturellen Zukunft Schwäbisch Halls vor allem um kreatives Gespür für eine architektonisch und stadtgestalterisch organische Entwicklung. Dieses kann nur erwartet werden, wenn sowohl die Ausgestaltung der Position als auch deren Besetzung eine entsprechend breite aber dennoch fundierte Qualifikation vorweisen und den ungetrübten Blick von außen garantieren können. Vor allem aus der Warte des im entwerferischen Umgang mit historischer Bausubstanz versierten freien Architekten und in den Grundsatzfragen von Architektur und Stadtgestaltung gleichermaßen diskursiv und wissenschaftlich beschlagenen  Hochschullehrers lassen sich die Auswirkungen baulicher Maßnahmen umfänglich bewerten und zukünftige Fragestellungen einschätzen. Vom Zusammenwirken einer unabhängigen Kapazität mit den örtlichen Planungsinstanzen lassen sich deshalb die besten Synergien für die bauliche Zukunft unserer Stadt erwarten. Eben diese Kombination aus formellen und informellen Instrumenten verspräche den größten Erfolg.

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