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„Schlicht sticht“ oder die Wiedergeburt eines Ideals

14. November 2015 Kommentare aus

Einst waren großartige Entwerfer wie Mies van der Rohe oder Marcel Breuer angetreten, gutes Design in jeden Haushalt zu bringen. Entgegen dem Individualismus des späten 19. Jahrhunderts, der sich letztlich in den aufwendigen Dekors des Jugendstils und des Art Déco entladen hat, nahmen sie Halbzeuge zur Hand und formten diese zu zeitlosen Ikonen industrieller Produktion. Zwischenzeitlich wurde das Werk eines durchaus altruistisch grundierten Designs in den Spülgängen der Konsumgüterproduktion zum Luxusgut verbogen. Selbsternannte Siegelbewahrer kolportieren einen Antagonismus von Original und Plagiat, der bei genauerem Sinn kaum der eigenen Designgeschichte standhält. In genau diese Zeit hinein, einer Zeit in der die Grenze von Luxus und Verschwendung immer mehr verschwimmt, zugleich die gesellschaftliche Wohlstandsschere immer weiter ausienanderklafft entwirft der junge Berliner Architekt Van Bo Le-Mentzel sogenannte Hartz-IV-Möbel. Gleichsam einer Wiedergeburt des guten Möbels für jedermann, propagierte er preiswerte Einrichtugnsgegenstände zu selber bauen. Dabei macht er sich das Crowd-Concept zu nutze und vermittelt seine Ideen zum „konstruieren statt konsumieren“ über einen eigenen Blog (http://hartzivmoebel.blogspot.de/). „Menschen, die Möbel bauen, sind oft auf der Suche nach etwas“, sagt er und eben diese Suche möchte er nun mit einem Ziel versehen: Bauanleitungen für eigene Selbstbau-Entwürfe kompakter und vielseitiger Möbel, Mittel und Wege zu einem pragmatischen, sich selbst erklärenden Design abseits des Glimmers. Sie bilden den Gegenentwurf zu uneingeschränktem Wohnflächenverbrauch und sogenannten Designermöbeln in exorbitanten Gewinndimensionen.

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