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Archive for the ‘Therme Vals’ Category

Entscheidung im Valser-Tal: Zumthor unterliegt dem Investor Stoffel

11. März 2012 Kommentare aus

Der über Jahre aufgeschaukelte und inzwischen zu einem kommunalpolitischen Drama avancierte Streit um die Valser Architektur-Ikone hat das graubündner Dorf vor eine Zerreißprobe gestellt. Kaum ein Bürger des langen, schmalen Tals hat keine Meinung zu dem Thema. Mitunter kochen die Gemüter hoch; mancheiner traut sich nicht einmal mehr, sich in der Öffentlichkeit zu äußern. Der zum Symbol einer ganzen Gegend aufgestiegene Badetempel aus Gneis steht, nebst nahegelegenem Thermen-Hotel zum Verkauf.

Da die beiden Angebote substanziell vergleichbar sind ist es vor allem eine Frage des Vertrauens, die die Entscheidung der Bürger bestimmt. Freilich, in architektonischer Hinsicht ist es aber auch eine Frage der zu erwartenden Qualität.

Am vergangenen Freitag haben die Bürger der Bündner Gemeinde antschieden, der Immobilienunternehmer Remo Stoffel und der hiesige Steinbruchbesitzer Pius Truffer haben sich mit 287 zu 219 Stimmen durchgesetzt. Damit sei besiegelt, dass die Therme und das zugehörige Hotel an den gebürtigen Valser Investor verkauft würden und dieser die Verantwortung für die Weiterentwicklung des Komplexes übernehme. Die Gemeinde erhält 7,8 Mio. Franken sowie die Verpflichtung, weitere 50 Mio. Franken in Renovationen und einen architektonisch hochwertigen 70-Betten-Neubau zu investieren. Außerdem will Stoffel eine 12 Mio. Franken teure Mehrzweckhalle errichten und die Hälfte dieser Kosten übernehmen. Im Gegenzug erhalten die Valser außerdem die Möglichkeit, Eigentümer der Therme zu bleiben, indem sie Stoffel ein Nutzungsrecht einräumen. Damit ist die Zukunft der Valser Architektur-Perle bezeichnet.

Mit der überraschend deutlichen Entscheidung von Freitag Abend optierte die Gemeinde gegen ihre Verwaltungsspitze, die noch Anfang der Woche ihren geschlossenen Rücktritt erklärt hatte. Wohl hatte man geahnt, dass deren Vorliebe für das Angebot Zumthors nicht von der Mehrheit der Bevölkerung geteilt würde. Offenbar gin es vielen darum, sich von dem komplizierten „Thermen-Übervater“ Zumthor loszueisen, zumal die Zusammenarbeit mit dem Pritzker-Preisträger stets von Schwierigkeiten überlagert war. Sowohl der alte als auch der neue Therme-Verwaltungsrat hätten sich mit Zumthor überworfen.

Für Stoffel spricht hingegen das vertrauen, das die Valser in seine Heimatverbundeheit stecken. Dieser hatte am Anfang der Gemeindeversammlung versichert: «Ich bin nach Vals zurückgekommen, ich will hier investieren und ich werde bleiben.» Obwohl der Immobilienunternehmer schon früh das Dorf verlassen hatte, sehen viele Valser in ihm nach wie vor einen Einheimischen und vertrauen ihm darum.

Nachräglich bemerkte der international renommierte Architekt Zumthor, dass man ihm nicht einmal richtig zugehört habe. Er kritisierte, die Bevölkerung habe sich von Stoffels Mehrzwekchallen-Projekt verführen lassen. Ferner unterstellte er Truffer einen Rachefeldzug wegen dessen Abwahl im Vorstand der Therme, deren Fassadensteine aus Truffers steinbruch stammt.

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Entscheidung in Vals spitzt sich zu

7. März 2012 Kommentare aus

Valser Gemeinderat tritt geschlossen zurück

Wenige Tage vor dem Showdown in der beschaulichen Bündner Gemeinde hat der komplette Gemeinderat verkündet, nicht mehr zur Wahl zu stehen. Dies kommt einem faktischen Rücktritt noch in diesem Jahr gleich. Die Entscheidung um den Verkauf des prestigeträchtigen Thermalbades nebst Hotelanlage wird für die kleine Gemeinde zum ‚Jahrhundertentscheid‘. Ihre Bürger sind am 9. März aufgerufen, über die beiden Angebote (IG Zumthor vs. Truffer/Stoffel) abzustimmen. Beide Parteien haben Hotelneubauten, Umbauten, Zubauten und Modernisierungen im Wert von 50 Mio. Franken auf den Tisch gelegt. Der seit Jahren schwelende Streit hat die 1000-Seelen-Gemeinde in den Bündner Alpen entzweit. Seit Wochen wird von den beiden Parteien für das Vertrauen in ihre Konzepte geworben, ohne jedoch einen eindeutigen Ausschlag in der Bevölkerung zu erringen. Vielmehr hat sich eine gedrückte Stimmung über das Tal gelegt. Viele wagen es nicht mehr, offen über ihre Ansichten zu dem Thema zu sprechen. Entschiedener war bisher der von Margrit Walker-Tönz präsidierte Gemeinderat. Dieser hatte sich im Januar für das Angebot der IG Zumthor ausgesprochen. Dass die sieben Mitglieder des Gremiums jetzt geschlossen zurücktreten werden, wirft ein fahles Licht auf die ganze Angelegenheit um die weltberühmte Therme. Trotz der versuchten Erklärungen mag sich der Eindruck eines erhöhten Drucks auf die Gemeinderatsmitglieder, so kurz vor der Abstimmung, nicht zu lösen. Offenbar hat sich die Lage derart zugespitzt, dass die Gemeinderatsmitglieder der Verantwortung sprichwörtlich ‚davonlaufen‘, so zumindest Pius Truffer in einem Interview. Während Zumthor für architektonische Qualität bürge, erwarte man von der sogenannten Valser Gruppe um den Investor Remo Stoffel ein nachhaltigeres Interesse am Wohl der Gemeinde, zumal dieser aus der Gegend stamme. Dessen ungeachtet war eine von der Gemeinde beauftragte Consulting-Firma zu dem Schluss gekommen, dass keines der beiden Angebote objektiv zu bevorzugen sei. So gewendet wird es schwer für die Bürger und Bürgerinnen, am kommenden Freitag eine Entscheidung zu treffen. Für das kleine Dorf deutet sich jedenfalls ein Stuttgart-21-Dilemma en miniature an.

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Therme Vals: Zumthor soll das Rennen machen

29. Februar 2012 Kommentare aus

Bereits  vor drei Jahren war die berühmte Valser Therme in die Schlagzeilen geraten, weil sich die Gemeinde entschlossen hatte, sie kurzerhand zu verkaufen. Schon damals ging es darum, den Gemeindesäckel durch den kombinierten Verkauf von Therme und nahegelegem Hotel zu entlasten. Tatsächlich zeichnete sich ab, dass die als Eigentümer figurierende Gemeinde die anstehenden Millionen-Investitionen in die Infrastruktur nicht würde aufbringen können. Die in der Folge sich entfaltende Kontroverse um die Zukunft des Wahrzeichens entwickelte sich zu einem Tauziehen verschiedener Investoren, in das sich auch eine von Peter Zumthor ins Leben gerufene Initiative einmischte. Außerdem im Rennen der Churer Immbolienunternehmer Remo Stoffel und der Valser Steinbruch-Besitzer Pius Truffer, die sich inzwischen zu einem gemeinsamen Angebot eingefunden haben. Bis jetzt konnte allerdings keine Einigung darüber gefunden werden, welche der Parteien den Zuschlag bekommen soll.

Inzwischen ist wieder Bewegung in die Sache gekommen. Gemeindepräsidentin Margrit Walker-Tönz kündigte am heutigen Mittwoch in Chur an, dass man auch angesichts der nachgebesserten Angebote Zumthors Interessengemeinschaft den Zuschlag geben wolle. Demnach bietet Zumthors IG 5,6 Millionen Franken für Therme und Hotel  und stellt weitere 45 Millionen für ein von Zumthor entworfenes, neues Thermen-Hotel in Aussicht. Das Angebot des Immobilienunternehmers Stoffel beläuft sich derweil auf eine Million Franken für die Therme und einen Hotelneubau für 50 Millionen. Bleibt zu bemerken, dass die Gebote für das Bad weit unter dem liegen, was das prestigeträchtige Gebäude einst gekostet hatte. Freilich, ihr Wert als Architektur-Ikone und Kultur-Pilger-Magnet ist in Fachkreisen weiterhin unbestritten, zumal für eine beschauliche Graubündener Talgemeinde.

Mittlerweile seien die Angebote erhöht worden (Zumthor 7,1 / Stoffel 1,8 Mio.). Darüber hinaus werfen die beiden Investorengruppen den bau zusätzlicher Gebäude in die Wagschale, die das architektonsich reizvolle Gebäude um eine Ensamble erweitern dürften. Vor diesem Hintergrund ist die Gemeinde der Ansicht, dass Zumthors Angebot den Bedürfnissen der Gemeinde besser entspreche. Zudem wird die Person Zumthors für den künftigen Erfolg des ambitionierten Projekts als bedeutsam eingeschätzt.Die entscheidene Sitzung des Gemeidnerats ist für den 9. März anberaumt. Es bleibt also weiterhin spannend, ob der international anerkannte Architekt hier die seltene Gelegenheit erhält, aus einer Hand einen ganzen Komplex qualitativ hochwertiger Architektur zu verwirklichen.

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