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Archive for the ‘Keine Angst vor Architektur’ Category

Würde durch Architektur

24. Juni 2014 Kommentare aus
Giancarlo Mazzanti: Parque Biblioteca Espana, Medellín (2008). Quelle: Wikipedia, CC.

Giancarlo Mazzanti: Parque Biblioteca Espana, Medellín (2008). Quelle: Wikipedia, CC.

Medellín, bislang mehr berüchtigt als geschätzt, birgt architektonische Schätze, die geradezu sinnbildlich für den Weg der Stadt aus den düsteren Schatten der Vergangenheit stehen. Sie sind aber nicht nur Glanzmomente zeitgenössischen Bauens; wie Aníbal Gaviria – seit 2012 Bürgermeister der Stadt – versichert, sind sie Ausdruck eines Versprechens auf mehr Menschlichkeit.

Grundsätzlich betrachtet, ist es gelungen, mit einem einfachen Axiom eine Wiedergeburt zu initiieren, die auch auf das Potenzial guter Architektur setzt, mehr als künstlerische und bautechnische Höchstleistung zu sein, sondern als echtes ‚Kulturgut‘ einen Grundwert an Würde auszudrücken. Zwar kann Architektur nur bis zu einem gewissen Punkt in die Lebenswelten der Menschen eingreifen, doch sie kann dies im Guten oder im Schlechten tun. Der Ansatz Gavirias, die schönsten – wie er sagt – und anspruchsvollsten neuen Bauwerke in den heruntergekommensten und armseligsten Vierteln der einstigen Drogenhochburg zu errichten, scheint aufzugehen: Sie verleihen ansonsten vernachlässigten Gegenden und vor allem den Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, ein Moment der Teilhabe. Als Primärelemente tragen sie wesentlich dazu bei, dass Medellín in jeder Hinsicht aufgewertet wird.

Als innovativste Stadt des Jahres vom Urban Land Institute ausgezeichnet, setzt man inzwischen auf die Synergien des Kontrasts; so steht den Bewohnern eines Slums inmitten der Baracken endlich ein moderner Aufzug zu Verfügung, um die beträchtlichen Höhenunterschiede in der Topografie der zweitgrößten Stadt Kolumbiens auszugleichen. Zwar hat man, wie das Beispiel des Aufzugs zeigt, keine für sich genommen überaus innovativen Bauwerke in Angriff genommen, aber die Art und Weise wie sie platziert werden, die Verknüpfung mit der stadtsoziologischen Wirklichkeit der Stadt ist überaus innovativ und erfolgversprechend. Der frühere Bürgermeister der Stadt, Sergio Fajardo, bezeichnet dies als urban acupuncture, die wesentlich zur Rückeroberung der von den Kartellen beherrschten Stadtteile beigetragen habe.

Oriol Bohigas: Centro cultural, Medellín. Quelle: Wikipedia, CC.

Oriol Bohigas: Centro cultural, Medellín. Quelle: Wikipedia, CC.

Maßgeblich beteiligt am Konzept für ein neues Medellín ist der italienische Architekt Francesco Orsini. Er zeichnete zum Beispiel verantwortlich für die Stadtplanung des Parks der Bibliotheken, in dem sich unter anderem die von Giancarlo Mazzanti entworfene Biblioteca Espana und die Bibliothek Leon de Greiff befinden. Sie bilden den Kern eines ambitionierten Park des Wissens im Herzen jenes Quartiers, in dem Pablo Escobar einst seine Mörderschwadronen rekrutierte.

Im heutigen Medellín ist es erklärtes Ziel, Orten eine Würde zu geben, die sie bislang nicht besaßen. Dabei verfolgen die Verantwortlichen eine Strategie, die bereits in den 1990er Jahren erfolgreich von Leoluca Orlando in einer anderen Mafiahochburg – Palermo – erfolgreich umgesetzt worden ist, indem bürgerschaftliches Engagement, Bildungsarbeit und Revalorisierung des Bauerbes miteinander verknüpft worden sind.

Durch die bauliche und kulturelle Wertschöpfung mit keineswegs exklusiven Mitteln, wie beispielsweise Infrastrukturbauten oder Primärelemente, wird eine Qualität der Architektur und Stadtplanung für die Zukunft der Stadt genutzt, die andernorts viel zu oft auf dem Altar des schicken Designs geopfert wird. Es geht um Würde ja, aber auch Stolz, den Architektur in den Menschen freisetzen kann, die von ihr profitieren. Dieses soziale Ermöglichen ist ein Grundwert der Architektur. Zwar ist die Mordrate in Medellín um 80% gesunken, doch ist sie weiterhin besorgniserregend hoch und auch die Armut konnte bislang nicht in breitem Maßstab bekämpft werden, doch regen sich kräftige Potenziale, neues Unternehmertum und kreative Ideen, die ein verheißungsvolles Gefühl des Optimismus in der Stadt versprühen. Möglicherweise ist diese geplagte Stadt auf dem richtigen Weg, und wenn sie es ist, dann hat die Architektur sicherlich Anteil daran.

USONIAN – entitled vision

12. November 2013 Kommentare aus
Frank Lloyd Wright: Jacobs House, Madison (Wisconsin), 1936. Detail der Straßenansicht.

Frank Lloyd Wright: Jacobs House, Madison (Wisconsin), 1936. Detail der Dachauskragungen.

Jüngst hat sich die ‚Königin der Kurven‘ in London ein schillerndes Denkmal ihrer schicken Designarchitektur  gesetzt, das auf den klangvollen Namen ‚Serpentine Sackler Gallery‘ hört. Die futuristisch anmutende, mit viel Anwenderfleiß aus den Computern gehämmerte Formverliebtheit, die jede Grundgesetzmäßigkeit architektonischer Erfahrung auf den Kopf zu stellen sucht, scheint hier eine neuerliche Hochleistung erreicht zu haben. Auf der anderen Seite wurde im provinziellen Ravensburg mit viel taktilem Gefühl das angeblich weltweit erste Museum mit Passivhausstandard aus abgerissenen Ziegelsteinresten gewebt. Dies alles vor dem Hintergrund immer knapper werdenden Ressourcen und dem objektiven Bedarf nach sozial nachhaltiger Bausubstanz. Politisch werden Ziele formuliert, die in verführerischen Begriffen wie ‚Mietpreisbremse‘ oder dem Wunsch nach mehr Sozialbauten münden und zugleich immer höhere energetische Auflagen setzen. Und wie wenn das alles irgendwie nichts miteinander zu tun hätte, wird das Land nunmehr regelmäßig von heftigen Flutkatastrophen heimgesucht, die ahnen lassen, dass eine weiterhin vorbehaltlose Flächenversiegelung unweigerlich ihren Tribut fordern wird. Obwohl die Bevölkerung im Grunde stagniert, fransen Siedlungen und Städte immer mehr aus, wird die Fläche umbauten Raums pro Arbeitnehmer und Privatbewohner immer größer. Und vor dem Hintergrund einer immer noch prekären Abhängigkeit von fossilen und atomaren Energiegewinnungsmethoden, wird das allgegenwärtig grassierende Spardiktat auf die Dämmleistungen der Häuser ausgedehnt, ohne ausreichend auf die Input-Seite zu schauen. Denn es ist diese Seite der klimarelevanten, oder sagen wir nachhaltigkeitsrelevanten, Kennwerte, die a priori den größten Nutzen verspricht. Das heißt also die Frage muss vor allem lauten, wieviel Energie stecke ich in ein Gebäude, ein Bauteil, ein Möbel überhaupt erst hinein? Bevor man darüber nachdenken und politisieren mag, wie sich der Verbrauch durch meist energieintensiv hergestellte Baumaterialien reduzieren lässt, muss ein Bewusstsein dafür entwickelt werden, dass man durch städtebauliche und architektonische Zonierung, die vertikale Struktur des Bauwerks und eine energieschonende, vielleicht sogar auf Recycling setzende Produktion sowie in größerem Maßstab durch Bestandsnutzung und Bestandsverdichtung bereits im Vorfeld die Weichen für eine umweltgerechtere Bauweise stellen kann. Dass dabei auch soziale Aspekte eine Relevanz erlangen können, ist derweil keine Entdeckung unseres Jahrhunderts. Vor etlichen Jahrzehnten hat nämlich niemand geringeres als Amerikas größtes Architekturgenie bereits eine Antwort auf eine Frage formuliert, die sich bis heute kaum noch jemand mehr richtig gestellt hat, wie kann ich, im Einklang mit mir selbst, meiner Umwelt und meiner Geschichte so bauen, dass dies eine Strategie für jeden oder fast jeden sein kann. USONIAN nannte Frank Lloyd Wright diese Vision und meinte damit das Haus für jedermann.

In seinem 1932 erschienen Aufsatz ‚The disappearing city‘ thematisiert Wright das Problem der Agglomerationen. Er kontert den Prozess der Intensivierung mit einem Modell dezentraler Siedlungen, in denen kleine Parzellen nicht mehr der Zierde, sondern der Bewirtschaftung dienen und das Einfamilienhaus dem verstärkten aufkommenden Massenwohnungsbau entgegengehalten wird. Jeder, so Wrights Vision, solle in einem für die täglichen Bedürfnisse maßgeschneiderten Haus im Einklang mit der Natur leben, anstatt, so mag man ihn verstehen, wie Nomaden durch die Schluchten und Wirren der Städte zu ziehen, um je nach Geldbeutel in einem Penthouse oder einer Gosse angespült zu werden. Wright lieferte zu diesem Konzept einer ruralen und zugleich modernen Gesellschaft, die sozusagen als Grundlage einer echten Demokratisierung dienen sollte, auch das passende Haus. Ein Haus, das in seiner schlichten Schlüssigkeit einer breiten Bevölkerungsschicht ein raumbezogen attraktives Wohnen ermöglichen sollte. Das seinerzeit aus dieser Vision hervorgegangene Siedlungsmodell der ‚Broadacre City‘  fand schließlich im Usonian-House seinen konkreten Widerhall. Wright entwarf den bislang einzigartigen und inzwischen bis heute weitergegebenen Typus eines schnell und einfach zu fertigenden, meist eingeschossigen Hauses, sozusagen den Prototypen des Fertighauses. Doch anstatt das Bauwerk durch die Mangel der bauwirtschaftlichen Produktion zum bloßen Raumbehälter degradieren zu lassen, schaffte durch die geschickte L-förmige Anlage und die von seinen Präriehäusern abgeleitete räumliche Struktur einen Einklang aus dem durch Interaktion des gebauten und unbebauten Raumes gewonnenen Freiraums und der Intimität der abschirmenden Anordnung. Dabei meint der Name ‚Usonian‘ vermutlich die nach Meinung Wrights korrektere Bezeichnung der USA als United States of North America. Darin beinhaltet  die Namensgebung offenbar die Implikation einer organischen, naturbezogenen Bauweise, die indigene Baumaterialien ebenso respektiert und nutzt, wie das vorgefundene Land, in das ein jeder baulicher Eingriff gerechtfertigt sein muss. Wrights Konzept bot ein leicht zu reproduzierendes und modifizierbares Modell, das auf fast alle gängigen Lagen angewandt werden konnte. Ebenso wichtig wie die architektonischen Qualitäten war Wright jedoch auch der ökonomische Aspekt, da es ein echtes ‚Volkshaus‘ sein sollte. Seinerzeit diente dieses einfache Hauskonzept dazu, dem überkommenen Wohnhabitus ein zeitgemäßes Gehäuse zu geben. Der Vereinfachung des spätviktorianischen Lebens  entsprach bislang kein Wohnmodell, das adäquat die Lebensbedingungen der Mittelschicht in ein architektonisches Gebilde übersetzt hätte. Ganz im Gegensatz zu den Wohnhausentwürfen der internationalen Moderne, die an einem standardisierenden Ideal ausgerichtet waren, bot Wrights Wohnhaustypus eine durchweg positiv besetzte Gemütlichkeit. Es transponierte sozusagen die bisher den großbürgerlichen Eliten vorbehaltenen Wohnerfahrungen in ein gleichermaßen individuelles wie veränderliches Modell, das der Realität moderner Lebenswelten, wie sie in den bekannten Romanen der Zeit noch heute plastisch erstehen, entsprechen sollte. Mit Wohnhäusern, die gegebenenfalls sogar von den Bewohner selbst gebaut werden konnten, mit diesen Wohnhäusern, die räumliche Qualitäten konzentrieren, Ressourcen sparen und im Einvernehmen mit natürlicher Belichtung und Witterung die Potenziale der Lage und der Architektur für den Bewohner auszuschöpfen und zugleich die Umwelt zu respektieren vermögen, lieferte Wright bereits in den 1930er Jahren eine Antwort, die heute im Umgang mit Fragen eines klimagerechten und würdevollen Wohnens als Lehre dienen kann.

Bretterbude mit Kreuz in Braunsbach

15. Mai 2013 Kommentare aus

Eine Autobahnkapelle ist eine hehre Aufgabe, insbesondere in einer Zeit, da Pfarrkirchen massenweise zu Sporthallen und allerhand anderen profanen Zwecken umgenutzt werden. Die jüngere Architekturgeschichte ist reich an Beispielen, wie etwa Giovanni Micheluccis meisterhafte Autobahnkirche in Campi Bisenzio bei Florenz oder den von grünlich gebrochenem Licht durchfluteten Andachtsraum an der Gotthard-Raststätte. Während beide Bauwerke dem Moment des Zusammenkommens Ausdruck verleihen und zugleich die charakteristische Kontur der Landschaft aufgreifen, sucht man im Entwurf für die Autobahnkapelle in Braunsbach vergeblich nach räumlichen und expressiven Qualitäten, die dem kontemplativen Verweilen, ja der Ruhe und Andacht nicht nur symbolisch sondern auch atmosphärisch Rechnung tragen würden. Das Thema der Lichtführung, das unabdingbar ist für eine mystische Raumerfahrung, wird mit schematischen Fensterbändern und einer emotionslos überdimensionierten Überkopfverglasung nur noch bewältigt; und auch der Bezug zum Umland wird auf eine kindlich-assoziative Anspielung reduziert.

Im vorliegenden Entwurf wurde eine Sprache angeschlagen, die im Grunde die Sprache der Fertighäuser oder Kreissparkassen auf einen sakralen Raumzusammenhang überträgt. Abgesehen von der Materialität sind die beiden senkrechten Fenster am Altarraum und die senkrechten Fenster im Vorbereich hinreichende Belege für diese unangemessene Analogie. Ferner ist die Belichtung, neben dem Baustoff das wichtigste raumbildende Element der Architektur, ohne Spannung umgesetzt. Von Inszenierung kann nicht gesprochen werden, auch wenn das gut gemeinte Fensterband zum Altarraum hin aufsteigt. Der Grundriss ist zwar funktional schlüssig, aber wegen der schematischen Fischgeometrie diesem Bild und den sich daraus ergebenden Zwängen allzu sehr untergeordnet. So degradiert der Moment des Zugangs, also jenes Element, das seit jeher ein zentrales Thema im Kirchenbau darstellt, weil es den Übergang von der weltlichen in die sakrale Sphäre markiert, zu einem Raum, der sich als Rest des ‚Fischschwanzes‘ ergibt. Die Anlage eines Abstellraumes(!) zwischen Sakristei und Sakralraum ist – gelinde gesagt – unglücklich. Zwar kann der gerundeten Wand des Eingangsbereichs und der als Wegteiler vorangestellten Rundbank mit Baum eine gewisse Qualität hinsichtlich der Wegeführung zuerkannt werden, aber diese wird von der Beiläufigkeit der eigentlichen Eingangsgestaltung aufgewogen. Dass der Besucher dann von einer Info-Theke begrüßt wird, wo beispielsweise in katholischen Kirchen meist ein Weihwasserbecken steht, rundet das insgesamt fragwürdige Bild dieses Sakralbaues ab. Dabei hätte, wie ich im Leserbrief bereits angedeutet habe, ein einfacher, geometrisch schlichter Raum von vielleicht kleineren Ausmaßen mit bewusster gewählten Materialien, einer weniger schematischen Ausrichtung beziehungsweise adaptiven Gestaltung und mit einer sensibleren Einbeziehung des Lichts dem Ziel, einen würdigen, erhabenen aber zugleich auch bescheidenen Ort der Einkehr und des Gebets zu realisieren, eher entsprochen.

Luigi Monzo: Sekundenskizze für eine Autobahnkapelle, 2013.

Luigi Monzo: Sekundenskizze für eine Autobahnkapelle, 2013.

Das gesamte Konzept verrät die prekäre Abwesenheit eines architektonischen Begriffs des Sakralen, der auch nur ansatzweise die Errungenschaften jahrhundertelanger Sakralbauerfahrung reflektieren würde, – ganz zu schweigen von den Leistungen der jüngeren Kirchenbaugeschichte. Ein Fisch soll es sein, als wäre er gerade aus dem Kocher gehüpft; mit Fischmaul und Fischschwanz, Gräten, etc. erinnert das Gebilde aus leidenschaftslos kombiniertem Beton und Holz vielmehr an eine adaptierte Kreisparkassenfiliale denn an einen Sakralbau. Dabei haben Architekten wie Peter Zumthor und Mario Botta, die nun wahrlich keine Geheimtipps mehr sind, bereits gezeigt, wie das Thema der kleinen Andachtskapelle mit geometrisch einfachen aber erhaben körperbetonten Mitteln gelöst werden kann. Oft braucht es nicht mehr als ein Gefühl für Spannung, Proportion und Plastizität und einen Sinn für die Nobilität einfacher und weniger Materialien sowie deren Fügung, um eine weit wirkungsvollere und erhabenere Raumerfahrung hervorzubringen, als dies die triviale Adaption eines Bildes, zumal im Duktus der grassierenden Niedrigenergie-Bauweise, je erreichen könnte. Schade, dass sich der angestrebte Aha-Effekt auf eine teure Bretterbude mit Kreuz bezieht. Wie viel mehr die Architektur hätte bieten können, bleibt nur noch zu erahnen.

Architektur im Zeitalter des Renderings

4. Mai 2013 Kommentare aus

Grundprinzip der Architektur sind seit Jahrtausenden die Integration von Raum, Funktion, Konstruktion, menschlichem Maß und umgebender Landschaft. Das Fördern der Wahrnehmung, des Erlebens, wie etwa im Gewahrsein der Tages- und Jahreszeiten, der Sinn für Proportionen, ja auch Demut und Respekt sind Werte einer wahrhaften Architektur. Wie kann aber eine Architektur der Prinzipien weitergegeben werden, wenn sie im digitalen Zeitalter zunehmend zum Objektdesign einer immer größer werden Heerschar von Bilderproduzenten wird, die sich selbst anmaßend Architekten nennt?

Was sich in vielen prominenten aber auch alltäglichen Projekten und Bauwerken beobachten lässt, ist die Desintegration dessen, was Architektur begründet. Damit verbunden ist die Entfremdung vom angemessenen Umgang mit den Rohstoffen der Architektur: menschliches Maß, Materialität, Landschaft, etc. sind hinweggeschwemmt von der Geilheit computergestützter Designs, in denen Szenarien zusammengebastelt werden, die einem Computerspiel entsprungen zu sein scheinen. Dass Architektur zunehmend über gestylte Renderings kommuniziert wird, anstatt in der Abstraktion, aber auch Exaktheit der Pläne dem Imaginativen freien Lauf zu lassen, zeugt von der Trostlosigkeit einer nur noch sogenannten Architektur. Die Beziehung des Architekturschaffenden zum Material seiner Arbeit geht verloren, schon in der Kinderstube der Architekten macht sich die smarte Designwelt breit.

Dieser Bilderwelt an Imaginärem fehlt es an Sinn, an Leidenschaft, am Geruch des Papiers und der Tinte, des Steins und feuchten Betons; spätestens der unbarmherzige Spülgang durch den elektronischen Kasten pervertiert den architektonischen Gedanken, den manch einer sogar noch hervorzubringen vermag, in eine ephemere Abbildung ohne Ethos und Glaubwürdigkeit, nur auf den schnellen Eindruck, die Überwältigungsmacht schockhafter Dramatik und die Schnelllebigkeit setzend, wie die Geschwindigkeit im zeitgenössischen Film, die über die handwerklichen Patzer so selbstsicher hinwegtäuscht. Die heutige Architekturproduktion gleicht in vielem einem billigen Actionfilm, auf rasche Effekte fokussiert, spielt sie mit der Natur und dem Wesen der Dinge, verrät sie, stampft sie in den Boden, ignoriert sie, desintegriert die Architektur, die zumal zur Dienstleistungssparte des Baugewerbes verkommen auch kaum noch anderes verdient.

Die allgemeine Tendenz, sich mit Werken der Architektur nur oder vorwiegend in Form von Abbildungen  auseinanderzusetzen und sie als Images von Objekten zu konzipieren steht dem Wesen der Architektur entgegen; das Bewohnen, das Erleben, ja das Reflektieren einer Bauaufgabe als gestalterischen Akt, der Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für das Stattfinden menschlichen Lebens schaffen soll, stehen am Beginn jeglicher Architektur. Und nur so ließe sich der enorme Flächen- und Volumenverbrauch rechtfertigen, mit dem der Mensch die Erde ‚zivilisiert‘. Eine Bauaufgabe erhält ihre ethische Legitimation nur, indem sie zum Träger einer kulturellen Botschaft wird. Architektur muss ernst gemeint sein und darf unter keinen Umständen auf dem Altar des Styles dem objektbezogenen Denken einer materiellen Welt geopfert werden. Es bedarf eines neuen Humanismus in der Architektur, oder weiter gefasst, – einer neuen Moral des Bauens.

Che cosa è un architetto se non è neppure logico?

6. Februar 2013 Kommentare aus

„Architettura è sublimazione della necessità della vita: è l’arte che definisce, nello spazio, il tempo. Essere moderni significa semplicemente esistere; essere razionali significa poco più che possedere il ‘sine qua non’ per esistere. Essere architetti, cioè artisti, è ben altra cosa. Non porteremo quindi questi titoli a vanto nostro, come non porteremmo, in altro campo, quello di uomo onesto. Che cosa è un uomo se non è neppure onesto? E ancora, che cosa è un architetto se non è neppure logico? La nostra aspirazione è più alta: noi crediamo che non basti all’architetto il costruire, ma sentiamo il bisogno di dire, di esprimere, con la sintesi dell’opera nostra, oltre che la vita contingente, il pensiero e il carattere dell’epoca attuale.

E, poiché per dire occorre un linguaggio intelligibile ai più ci siamo messi di buon accordo insieme per cercare una strada maestra nel labirinto dell’arte. La personalità individuale non ci interessa tanto, ci preoccupa assai di più la personalità dell’opera. Poco ci importa che si dica di un edificio ‘è del tale’ o ‘è del talaltro’ se il monumento non comunica la propria anima. Una casa ha da essere prima di tutto casa, e non interessa che sia ‘mia’ o ‘tua’. Un artista, quando sia veramente tale, lascia sempre traccia di se stesso nel suo lavoro, e questo segno, crediamo, è tanto più profondo, quanto meno l’artista si è preoccupato di incidervelo. Questo principio che informa i nostri progetti costa ad ognuno il sacrificio della propria ambizione, ma il personalismo ad oltranza, oltre ad esser spesso mal celato egoismo, è cifra o bizzarria e danneggia, attraverso la logica e l’estetica offese, la società.

Dopo le esperienze romantiche, estremamente soggettive, è tempo, se non si voglia ricadere nella pericolosa Babele, che le parole dei singoli si organizzino in lingua viva comune. L’opera d’arte sarà originale, non quando l’artista avrà messo a capriccio il proprio sigillo, superficialmente esornativo, ma quando il chiaro equilibrio dell’organismo esprimerà L’intima essenza e la novità del concetto interpretativo. Queste parole abbiamo sentito il bisogno di premettere, perché l’uniformità del nostro abito non sembri povertà interiore, ma ricordi, sia pure come desiderio, la massima francescana che insegna ad essere semplici al di fuori per divenire luminosi dentro.”

Relazione ai progetti di laurea dei componenti del gruppo BBPR, 1932.

Fonte: Ernesto Nathan Rogers: Esperienza dell’architettura. Milano 1997, pp. 37-38.

Vecchio e nuovo a Venezia

12. Januar 2013 Kommentare aus

Bisogna ammettere una certa legittimità alle critiche riguardanti le costruzioni nuovissime nella città storica di Venezia, il contrasto con il carattere della città è a volte affatto netto, nonostante si cerchi di rimanere in sottofondo. Naturalmente ci sono soluzioni come le case di Cino Zucchi oppure la casa alle Zattere di Gardella che non stonano troppo, anzi, si abbacinano al tessuto rinvenuto. Ma una volta posta la domanda di costruire qualcosa di nuovo anche nella città lagunare bisogna ammettere che sia Calatrava che gli architetti C+S di Treviso hanno creato qualcosa di contemporaneo che rispetta e considera l’ambiente veneziano. Difatti, come afferma Fulvio Irace, l’architettura moderna arriva a Venezia sempre di soppiatto (cfr. Giustizia è fatta, in: Domus 964/dic. 2012). Il ponte per esempio usa le più avanzate tecnologie ingegneristiche per essere gettato raso l’acqua in modo da non sbarrare le prospettive sui palazzi, quindi Calatrava ha cercato di rendere il ponte il meno presente possibile salvo la negazione stessa del ponte. La soluzione dei dettagli poi, la scelta dei materiali, la raffinatezza con cui sono stati scolpiti i corpi di fabbricca rivestiti di pietra e il gioco con i riflessi dell’acqua nelle vetrate del pavimento esaltano la relazione con la città. La casa per gli uffici della corte invece con la sua cubatura ridotta, semplice e fluttuante ricalca lo schema di molti edifici vicini. Il colore scuro delle superfici non sormonta ma evidenzia i colori pastelli tipico delle casa veneziane e la struttura rievoca quella della circostante Manifattura Tabbacchi…

Direi, che preso in considerazione questo, l’unica alternativa a queste costruzioni sarebbe stato la rinuncia totale ad ogni nuova costruzione. In una città come Venezia, per il suo patrimonio eccezionale e unica nello stesso tempo, una nuova e contemporanea costruzione può acquistare un proprio diritto di vita soltanto attraverso un sensibile dialogo con la città storica, ma una volta premesso questo può acquistare il suo diritto ad una propria vita, di proprio pugno e carattere senza ricalcare le forme già presenti (come p.e. Zucchi) per poi finire in strane caricature di un presente molto più originale che una copia mai potrebbe raggiungere.

Tuttavia ritengo, che a Venezia bisogna procedere con molta cautela nelle decisioni edili ed urbanistiche. La contemporaneità sia pure ammessa a Venezia, ma entro certi limiti. Infatti questi nuovi edifici sono sorti ai margini della città storica, lì dove c’è anche la stazione e l’autorimessa, ecc. D’altronde vorrei ricordare il ponte dell’Accademia per dimostrare cosa succede quando la cautela viene esagerata…qui si è finito per una soluzione effimera che risolve tutto in un semplice aggetto pratico, qui difatti si è rinunciato all’architettura per eccessivo rispetto verso il contesto storico della città. Di conseguenza a Venezia bisogna tuttora chiedersi, con delle parole prestate al Pensabene: Può oggi esistere l’architettura – a Venezia?

Margherita Sarfatti on architecture

22. September 2012 Kommentare aus

Of all arts, architecture is by its very essence most entitled to represent the political and social welfare [and] of the status of civilization of a commonwealth, at a certain degree and state of its development.

Music, literature, poetry, nay, even painting and sculpture may be to a certain extent the results of a peculiar or personal, individual mood, though of course the highest and most exalted tree still is very one which radicates its roots deepest in the common soil. But there is more in architecture than meets the eye.

First of all, to produce it, ist is not sufficient to dispose of paper, ink, canvass, clay and colours. One must get ahead of that rare bird, a client, with real estate, mostly costly area, and more or less big capitals as a background. One cannot build for oneself alone, indeed, the most important monumental buildings of any time have never been a private affair, but an affair of state; priests, kings, Popes, republics, or whoever happened to be the power that are, have been the ones to order the enduring monuments of architecture, which defied centuries and bear witness to long since decayed civilizations: tombs, temples, churches, theatres and palatial sovereign abodes, meant to impress the people. […]

Margherita G. Sarfatti, 1934

Undatiertes Manuskript von Margherita Sarfatti, das nach Recherchen von Marina Sommella Grossi auf den 21. März 1934 datiert worden ist. Sarfatti verfasst es an Bord des Ozeandampfers ‚Rex‘ auf dem Weg in die USA, um einige Notizen für einen Zeitungsartikel in (La Stampa) festzuhalten. Das englischsprachige Manuskript wurde erstmals von Marina Sommella Grossi veröffentlicht, in: Schnapp, Jeffrey T. (Hg.): In Cima. Giuseppe Terragni per Margherita Sarfatti. Venedig 2004, S. 149.