Neue Sichtweisen auf das Werk von Frei Otto

Am 4. November 2016 eröffnet im ZKM Karlsruhe eine große Ausstellung auf den im März 2015 verstorbenen Architekten Frei Otto. Die von Georg Vrachliotis kuratierte Schau wird auf der Grundlage des im Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau (saai) bewahrten Nachlasses einen fundierten Blick auf einen der international renommiertesten und innovativsten deutschen Architekten des 20. Jahrhunderts richten.

Anhand von über 200 Modellen, Objekten, Werkzeugen und Instrumenten, über 1.000 Fotos, Zeichnungen, Skizzen, Plänen und Filmen sowie mehreren medientechnische Großprojektionen werden neue Sichtweisen auf das Werk von Frei Otto vermittelt und neue Fragestellungen zur Zukunft der gebauten Umwelt zwischen Architektur, Technologie, Nachhaltigkeit und Gesellschaft aufgeworfen.

Frei Otto. Denken in Modellen.

5. November 2016 bis 12. März 2017, ZKM Karlsruhe.

Eröffnung am 4. November 2016, 19.00 Uhr im Foyer des ZKM, mit Beiträgen von Holger Hanselka, Christiane Riedel, Philip Kurz und Georg Vrachliotis.

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Architektur während des Faschismus im Italien der 1930er Jahre

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Marcello Piacentini: Rektoratsgebäude der Universität Rom, 1932-35.

Vorträge zur Architektur im Faschismus im Rahmen der Veranstaltungsreihe ‚ifag um sieben‘ an der Universität Stuttgart.

 

14. November 2016
Klaus Tragbar, Innsbruck
Architektur und Städtebau im Faschismus. Personen, Projekte, Positionen.

 

12. Dezember 2016
Daniela Spiegel, Weimar
Erschreckend gut, erschreckend schön. Stadtgründungen des italienischen Faschismus als architekturhistorisches Faszinosum.

 

30. Januar 2017
Luigi Monzo, Schwäbisch Hall/Karlsruhe
Widerstand oder Anpassung? Der italienische Kirchenbau in der Zeit des Faschismus.

 

ifag um sieben, immer montags, K1 Keplerstr. 11, Raum 1.08
19:00 Uhr

 

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Frank Lloyd Wright unknown

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Frank Lloyd Wright: Teppich für Taliesin, 1955. Quelle: MoMa Press.

Das Museum of Modern Art in New York nutzt den Anlass des 150. Gebursttag des großen Meisters Frank Lloyd Wright, um mit einer spektakulären Ausstellung tiefe Einblicke in bislang unveröffentlichte Arbeiten des Architekten der Prärie zu geben. Frank Lloyd Wright at 150: Unpacking the Archive, so der Titel der Ausstellung, die am 12. Juni 2017 im MoMA eröffnet und mit über 450 Arbeiten aus der Zeit von den 1890er bis 1950er Jahren aufwarten wird. Architekturzeichnungen, Modelle, Gebäudefragmente, Film- und Fernsehbeiträge, Druckerzeugnisse, Möbel, Tischwaren, Textilien, Gemälde, Fotografien und Skizzenbücher wurden aus den Tiefen des persönlichen Archivs des Architekten heraufbefördert und werden im Kontext etlicher, bisweilen kaum bekannter Projekte einen neuen Blickwinkel auf das Werk Frank Lloyd Wrights eröffnen. Die Ausstellung ist vielmehr anthologisch aufgebaut denn eine monografische Werkschau. In zwölf Abteilungen werden verschiedene Aspekte und Facetten, wie zum Beispiel die Verwendung des Ornaments, beleuchtet. Sie sollen als Ausgangspunkt für eine Wiederbelebung der Diskussion und kritischen Auseinandersetzung dienen. Verantwortlicher Kurator der Ausstellung ist Barry Bergdoll, zu den Mitwirkenden zählt unter anderem der herausragende Kenner des Wright-Nachlasses Michael Desmond.

Frank Lloyd Wright at 150: Unpacking the Archive, 12. Juni 2017– 1. Oktober 2017, MoMa, NYC.

Marcello Piacentini urbanista

Beese_Piacentini Studie zum städtebaulichen Werk Marcello Piacentinis

Mit der Publikation ihrer 2014 an der Technischen Universität Dortmund vorgelegten Doktorarbeit „Neue Horizonte im Städtebau“ – Die Form der Stadt bei Marcello Piacentini (1881-1960) präsentiert die Berliner Kunsthistorikerin Christine Beese die erste umfangreiche Studie zum vielfältigen städtebaulichen Werk des faschistischen Regimearchitekten Marcello Piacentini. Die Verfasserin untersucht das Wirken anhand des beruflichen und intellektuellen Werdegangs am Übergang zwischen langem 19. und kurzem 20. Jahrundert und zieht dabei auch Vergleiche und Verbindungslinien zum europäischen Architekturgeschehen der Zeit. Über die Entwicklung und Etablierung der städtebaulichen Disziplin, die Erprobung städtebaulicher und architektonischer Leitgedanken im Ausbau Roms zur Kapitale des Faschismus, führt die mit Archivmaterial reich illustrierte Analyse schließlich zur typologisch strukturierten Veranschaulichung eines wegweisenden Beitrags zur italienischen Stadtgestaltung.

Eine ausführliche wissenschaftliche Besprechung des Buches liegt bereits vor und wird 2016/2017 in der architectura – Zeitschrift für Geschichte der Baukunst – Journal of the History of Architecture erscheinen.

Christine Beese: Marcello Piacentini. Moderner Städtebau in Italien. Reimer-Verlag, Berlin 2016. 624 Seiten, 11 farb- und 241 sw-Abb. ISBN: 9783496015468.

„Schlicht sticht“ oder die Wiedergeburt eines Ideals

Einst waren großartige Entwerfer wie Mies van der Rohe oder Marcel Breuer angetreten, gutes Design in jeden Haushalt zu bringen. Entgegen dem Individualismus des späten 19. Jahrhunderts, der sich letztlich in den aufwendigen Dekors des Jugendstils und des Art Déco entladen hat, nahmen sie Halbzeuge zur Hand und formten diese zu zeitlosen Ikonen industrieller Produktion. Zwischenzeitlich wurde das Werk eines durchaus altruistisch grundierten Designs in den Spülgängen der Konsumgüterproduktion zum Luxusgut verbogen. Selbsternannte Siegelbewahrer kolportieren einen Antagonismus von Original und Plagiat, der bei genauerem Sinn kaum der eigenen Designgeschichte standhält. In genau diese Zeit hinein, einer Zeit in der die Grenze von Luxus und Verschwendung immer mehr verschwimmt, zugleich die gesellschaftliche Wohlstandsschere immer weiter ausienanderklafft entwirft der junge Berliner Architekt Van Bo Le-Mentzel sogenannte Hartz-IV-Möbel. Gleichsam einer Wiedergeburt des guten Möbels für jedermann, propagierte er preiswerte Einrichtugnsgegenstände zu selber bauen. Dabei macht er sich das Crowd-Concept zu nutze und vermittelt seine Ideen zum „konstruieren statt konsumieren“ über einen eigenen Blog (http://hartzivmoebel.blogspot.de/). „Menschen, die Möbel bauen, sind oft auf der Suche nach etwas“, sagt er und eben diese Suche möchte er nun mit einem Ziel versehen: Bauanleitungen für eigene Selbstbau-Entwürfe kompakter und vielseitiger Möbel, Mittel und Wege zu einem pragmatischen, sich selbst erklärenden Design abseits des Glimmers. Sie bilden den Gegenentwurf zu uneingeschränktem Wohnflächenverbrauch und sogenannten Designermöbeln in exorbitanten Gewinndimensionen.

Friedrich Weinbrenner – Meister des Klassizismus in Karlsruhe

Längsschnitt und Seitenansicht | unsigniert, undatiert (Friedrich Weinbrenner, 1792/97) | Tusche, Aquarellfarben auf Papier, 60,4 × 92,6 cm | KIT, Südwestdeutsches Archiv für Architektur und Ingenieurbau, Weinbrenner 13

Idealentwurf für ein Ballhaus, 1792/97.

In Untermünkheim erinnern heute eine Straße und eine Festhalle an den Zimmermann und Baumeister Johann Friedrich Weinbrenner. In der ganzen Region finden sich Spuren seines handwerklichen Könnens, das zugleich als große familiäre Tradition auf das Werk seines berühmten Enkels Friedrich Weinbrenner verweist, den Baumeister Karlsruhes und einen der Wegbereiter des Klassizismus in Deutschland.

Am Ende des Barock

In diesem Jahr feiert mit Karlsruhe eine vergleichsweise junge Stadt ihren dreihundertsten Geburtstag. Von Markgraf Karl Wilhelm als Residenz gegründet, sollte sie die Befreiung von der Enge mittelalterlicher Burgen in die Gestalt einer offenen Stadt übersetzen. Ohne Mauern, stattdessen mit einem vom neuen Residenzschloss betonten fächerförmigen Stadtgrundriss, entstand hier das ideale Beispiel einer barocken Fürstenstadt; als monumentale Auswirkung des Zentralstadtgedankens wurde sie rasch zur reinsten Verkörperung des Absolutismus in Deutschland. Kaum hundert Jahre später erfuhr sie jedoch eine tiefgreifende Wandlung: Infolge von Aufklärung und Revolution und unter dem Eindruck der entstehenden Industriegesellschaft nahm die Stadtentwicklung einen anderen Lauf. War Karlsruhe am Ausgang des 18. Jahrhunderts mit knapp 8.000 Einwohnern noch eine sehr kleine Residenzstadt, so verzeichnete es bereits 1815 annähernd doppelt so viele Bewohner. Mit der damit zusammenhängenden Veränderung der Sozialstruktur änderte sich auch das Erscheinungsbild der inzwischen zur Hauptstadt eines Großherzogtums aufgestiegenen Stadt. Nicht mehr die Darstellung einer von Gott gegebenen irdischen Macht stand im Vordergrund, sondern der Ausbau zu einer für damalige Begriffe durchaus modernen, zunehmend funktionsorientierten Stadt.

Der im Barock verkörperte Wunsch nach Überzeugung durch Überwältigung wich in Karlsruhe schon früh einer an den Bedürfnissen der neuen Bürgergesellschaft ausgerichteten baulichen Entwicklung. Wobei sich dieser Ansatz in einem um Beruhigung und Versachlichung bemühten stilistischen Wandel niederschlug. Noch bevor in München und Berlin durch große Architekten wie von Klenze und Schinkel maßgebliche Veränderungen ins Werk gesetzt werden konnten, war es das eher beschauliche Karlsruhe, dem in der deutschen Stadtplanungs- und Architekturgeschichte des 19. Jahrhunderts eine herausragende Rolle zukommen würde. Dass aus der von Sigismund von Reitzenstein noch als „Gespött ganz Europas“ bezeichneten Ansammlung von Hütten innerhalb von zwanzig Jahren eine klassizistische Vorzeigestadt entstehen konnte, gespickt mit repräsentativen Boulevards und großzügigen Platzanlagen, modernen Kulturbauten sowie nach neuartigen hygienischen Maßstäben errichteten Wohnhäusern, war zu diesem frühen Zeitpunkt vor allem das Verdienst des ehrgeizigen und zugleich sehr geschickt agierenden Architekten Friedrich Weinbrenner.

Evangelische Stadtkirche Karlsruhe, 1808.

Evangelische Stadtkirche Karlsruhe, 1808.

Hohenloher Wurzeln – Dessen Vater Johann Ludwig Weinbrenner, ein aus Untermünkheim stammender Zimmermann, war in den 1750er Jahren wegen der regen Bauaktivität in die badische Stadt gezogen; dort heiratete er die Tochter des markgräflich-badischen Hofzimmermanns und wurde dessen Nachfolger. Weinbrenner brachte eine lange handwerkliche Familientradition in die badische Residenzstadt. Insbesondere der in Geislingen geborene und in Haagen aufgewachsene Johann Friedrich Weinbrenner, der Großvater des Karlsruher Architekten, konnte in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Hohenlohe ein vielfältiges Wirken entfalten. So spielte er bei der Planung des Untermünkheimer Kirchenneubaus eine Vorreiterrolle indem er schon früh Pläne für einen dreischiffigen Ausbau der Kilianskirche vorlegte, die allerdings aus Kostengründen nie realisiert wurden. In den Archiven finden sich zudem Pläne zu verschiedenen Baumaßnahmen der Hohenloher Fürsten, die ihm ihre Anerkennung auch mit der Ernennung zum Schultheißen zuteilwerden ließen. An seine Betriebsamkeit erinnern zahlreiche von ihm errichtete Bauwerke. So gehören zu seinen Arbeiten nicht nur das 1759 in Michelbach am Wald errichtete Amtshaus und der Neubau des Untermünkheimer Rathauses, sondern auch ein in der Hessentaler Ortsmitte errichtetes Bauernhaus, das auf eindrückliche Weise die stilistischen Ausläufer der barocken Epoche in einer für den ländlichen Raum eingängigen und zugleich hervorstechenden Qualität zum Ausdruck bringt: Voluten und rokokohaft verzierte Pilaster aus Holz dokumentieren das Geschick des Untermünkheimer Zimmermeisters, aber auch eine Architektursprache, von der sich sein Enkel – in einem freilich veränderten Umfeld – mit beispielgebender Konsequenz abwenden würde.

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Katholische Kirche St. Stephan, Karlsruhe (1807-14).

Baumeister einer neuen Epoche – Der Architekt prominenter Bauwerke wie des Karlsruher Rathauses oder der Evangelischen Stadtkirche unternahm keineswegs zufällig seine ersten beruflichen Schritte als Zimmermann. So gehört zu seinen ältesten Arbeiten der Entwurf für eine komplexe übereck verlaufende Dachstuhlkonstruktion, in der er einen älteren Plan seines Vaters weiterentwickelt hat. In der Schulung seiner Fertigkeiten als Zimmermann, unter anderem konzipiert er doppelte Kuppelkonstruktionen aus Holz, legt er den handwerklichen Grundstock für seine erfolgreiche Architektenlaufbahn. Anders als den meisten zeitgenössischen Baumeistern gelingt es ihm, die praktischen Erfahrungen aus seiner im Alter von 16 Jahren beginnenden verantwortlichen Tätigkeit im elterlichen Betrieb mit einer bemerkenswerten Sensibilität für die sich ändernden Anforderungen an den Zweck und die Ästhetik des Gebauten zu verbinden und dabei eine für die rege Bauaktivität der badischen Hauptstadt wirtschaftliche und zugleich würdevolle Architektursprache zu entwickeln. Als Autodidakt lernt er in Berlin die Architekten Carl Langhans und Hans Christian Genelli kennen, zwei Jahre später reist er zu ausgedehnten Architekturstudien nach Italien, wo er sich das Verständnis antiker Architektur aus eigener Anschauung aneignet. Aus der Verquickung all dieser Erfahrungen, verbunden mit dem beruflichen Ehrgeiz, der ihn schon bald in den Dienst der markgräflichen Bauverwaltung führt und zum großherzoglichen Oberbauinspektor aufsteigen lässt, kann er ein im ganzen deutschsprachigen Raum beachtetes Wirken entfalten. Neben Weinbrenners intensiver Bau- und Planungstätigkeit gehört jedoch auch die Verbreitung seines Architekturverständnisses durch eine eigens konzipierte Lehrtätigkeit. 1800 gründet er hierzu in einem Anbau seines Wohnhauses eine private Bauschule, die wiederum zu einer der Keimzellen der späteren Technischen Hochschule wird, dem heutigen Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Bildquellen: Presse-Kit zur Weinbrenner-Ausstellung der Städtischen Galerie Karlsruhe: Längsschnitt und Seitenansicht | unsigniert, undatiert (Friedrich Weinbrenner, 1792/97) | Tusche, Aquarellfarben auf Papier, 60,4 × 92,6 cm | KIT, Südwestdeutsches Archiv für Architektur und Ingenieurbau, Weinbrenner 13; Perspektivische Ansicht von Südwesten signiert »J Dyckerhoff, 1808« | Bleistift, Tusche, Aquarellfarben auf Papier, aufgezogen auf Karton, 43,4 × 56,6 cm | Stadtarchiv Karlsruhe, 8/PBS XV 1245; Vorentwurf, perspektivische Ansicht der Kirche und der geplanten Nebengebäude im Stadtraum | Schülerzeichnung unsigniert, undatiert | Tusche, Sepia, Aquarellfarben auf Papier, 48,8 × 60,9 cm | KIT, Südwestdeutsches Archiv für Architektur und Ingenieurbau, Weinbrenner 30.

Neues Globe oder große Show. Schwäbisch Hall auf der Suche nach einem neuen Theater

Nachdem die ersten Eindrücke einer neuen Spielstätte buchstäblich aus dem Ärmel des Oberbrügermeisters und seiner Vertrauten gezaubert worden sind, drängen sich sogleich ein paar grundsätzliche Fragen auf, die – so scheint es – entweder vergessen oder verdrängt worden sind.

Durchaus eindrucksvoll präsentiert sich ein hufeisenförmiger, lichtdurchfluteter Theaterraum in einem Rendering, das ganz offensichtlich darauf abzielt, die Schwäbisch Haller Einwohnerschaft auf eine neue Ikone einzuschwören – eine Ikone jedoch, die eine alte, bereits etablierte ersetzen soll. Es geht um das neue Theater, den vielleicht impliziten Wunsch nach einem beständigen, ganzjährig nutzbaren Theaterbau. Die Sehnsucht nach einem ‚echten‘ Theater, anstatt flüchtiger Freilichtspiele, wer weiß. Doch hat man sich eingehend mit der Frage beschäftigt, ob es nicht sinnvoller wäre, sowohl Branding als auch Zeitlosigkeit und Internationalität des von Shakespeare entwickelten Universal-Theaters weiter zu nutzen, anstatt mit einer – zugegebenermaßen etwas willkürlichen Idee eines transplantierten griechischen Theaters – in eine andere Richtugn zu gehen. Das heißt, es wäre gundsätzlich und gegebenenfalls nochmals zu klären, ob sich ein Universal-Theater namens Globe – wohlgemerkt für überall konzipiert und überall gebaut – nicht plausibler verhält, als die fixe Idee eines im Griechenlandurlaub gefundenen Theaterbildes.

In dieser Perspektive drängt sich sogleich die Frage nach der Typologie des Theaters auf. Das bisherige Globe übernimmt als gerichteter Rundbau eine Scharnierfunktion an einer stadträumlich neuralgischen Stelle. Der vorgeschlagene quaderförmige Neubau könnte diese Funktion niemals übernehmen, auch ist sein Typus weit städtischer als der pavillonartige Charakter des bestehenden Globe. Also schließen sich zwei weitere grundsätzliche Frage an: Will man am Unterwöhrd als Standort festhalten, dann braucht es eine Typologie, die dies erfüllen kann und diese ist – wie die Erfahrung zeigt – zweifellos ein gerichteter Rundbau und zwar an der Scharnierstelle der Wegeführung. Dieser könnte als neues Globe alle Kriterien erfüllen, indem es als ein Gebäude mit ähnlicher Form und vergleichbaren Ausmaßen entworfen würde, allerdings tiefer eingegraben und höher. Andererseits gilt, dass wenn man ein Theater will, das in seiner Gestalt deutlich städtischer ist, auch einen städtischeren Standort haben muss. Das Idyll des bisherigen Unterwöhrd und eine strenge kubische Gestalt der vorgeschlagenen Ausmaße lassen sich freilich nicht vereinbaren. Somit ist die Frage nach dem Typus und dem Standort nach der eingangs erläuterten Frage nach der Nutzung bzw. Funktion gleich zuvorderst zu klären. Wobei die Aspekte Typus und Funktion einander aufs Engste bedingen; die Gebäudeart wiederum mit ihrem Charakter die Architektursprache bestimmt.

Ferner sind die städtebaulichen Möglichkeiten zu untersuchen. Offenbar ist niemandem von den Verantwortlichen aufgefallen, dass der bisherige Vorschlag wie ein Sperrklotz den Unterwöhrd ruinieren würde. Von Romantik bliebe nicht mehr viel übrig, das Wesen eines Naherholungsparks ginge definitiv verloren, wie allein schon der Baukörper und die notwendige Infrastruktur zu dessen stadträumlischer Erschließung verdeutlichen. Warum der Neubau eines Rundbaus als Möglichkeit einer städtebaulich geschickten Lösung an bestehender Stelle gar nicht erst als Entwurf entwickelt wurde, bleibt im Arkanum der Hinterzimmer verborgen.

Des Weiteren muss der Blick auch auf die Plausibilität der hier durchaus euphemistisch als ‚Skizze‘ präsentierten banalen Außenbaugestaltung gerichtet werden. Sie lässt wenig Gutes für einen konkreten Entwurf in dieser Spur erahnen. Vermag der vorgeschlagene Innenraum zumindest in der Computergrafik räumliche Güte zu suggerieren, so sind die Qualitäten des Außenbaus schlicht unterirdisch oder vielmehr eines Theaterbaus unwürdig. Mit der Rhetorik eines Provinzbankgebäudes lässt sich das stadträumliche Primärelement Theater nicht adäquat umsetzen, auch wenn man es hochfliegend ‚Odeion‘ nennt. Das vom Oberbürgermeister und dem Intendanten der Freilichtspiele präsentierte Theaterbauwerk stimmt in der Tat in seiner gesamten Konzeption nicht. Es erscheint wie ein überlegter Akt wohlgemeinter aber fehlgeleiteter Fantasie. Die verschiedenen Wortbeiträge verraten denn auch offensichtlich ein babylonisches Durcheinander an Anforderungen, Vorstellungen und Interpretationen. Viele Aspekte der von Herrn Pelgrim, Frau Wilhelm oder des Intendanten vorgebrachten Argumentationen lassen sich nicht in Einklang bringen und wirken in der einen Frage nach dem Theaterneubau wie aus der Luft gegriffen.

Gerade städtebaulich und kulturell weittragende Entscheidungen verraten einmal mehr, dass man sie nicht ohne geeignete Berater treffen sollte. Warum lassen sich die Stadt oder vielmehr ihre höchsten Repräsentanten nicht angemessen ins Bild setzen, von anerkannten Architekten beispielsweise, die aufgrund ihrer vielgestalten Arbeit und Laufbahn genügend Kompetenz und Unabhängigkeit garantieren? Dann vielleicht ließen sich solche Fehlplanungen rechtzeitig vermeiden und kreative Energien in die richtige Richtung lenken, anstatt, so mag es scheinen, Geltungsbedürfnisse und Aufmerksamkeitsdefizite im Deckmantel gekünstelter Geschichtsbezüge auf Kosten städtebaulicher Substanzfragen auszutragen.

Für den in Aussicht gestellten Planungsbeirat sollten sich die Verantwortlichen überlegen, ob vielleicht nicht Kapazitäten wie Arno Lederer oder Henri Bava geeignet wären, sie in den heiklen Fragen eines Theaterneubaus zu beraten. Diese hier beispielhaft in den Ring geworfenen Persönlichkeiten würden sich jedenfalls ideal ergänzen, auf der einen Seite der versierte Architekt, Architekturlehrer und Architekturpolitiker, der schon als Juryvorsitzender im Wettbewerb für die Kunsthalle Würth der Stadt auf lange Sicht einen guten Dienst erwiesen hat, und auf der anderen Seite der Landschaftsarchitekt, der in Praxis, Forschung und Lehre langjährige Erfahrung im Umgang mit Stadt und Wasser (Stichwort Waterfront) aufweisen kann, also genau jenen Themen, die Schwäbisch Hall am Unterwöhrd und Haal-Platz interessieren. Empfehlungen freilich, aber vielleicht auch die Chancen eines neuen Anfangs.