Politexkurs 02|13 – Familien

27.II.2013 | Familienpolitik in einer relativistischen Gesellschaft

Der Hader mit dem zurückgetretenen Papst Benedikt war oft groß. Unbezweifelbar stand Benedikt für eine Zementierung bisweilen weltfremder Positionen hinsichtlich Liturgie, Hierarchie und Struktur der Kirche. Die Umsetzung einiger wichtiger Beschlüsse des Zweiten Vatikanums vertagt sich nun mit wankelmütiger Hoffnung auf seinen Nachfolger. Doch in einem zentralen Anliegen seines Pontifikats, das vermutlich aber zu wenig wahrgenommen worden ist inmitten von Skandalen, dem Gleichstellungskonflikt, Zölibat und Co., hatte Benedikt ebenso wie sein Vorgänger immer Recht: nämlich in seiner Kritik am grassierenden Relativismus. Dass dem so ist, wird in der neu entdeckten Brisanz der Familienpolitik sichtbar.

Es ist vollkommen richtig, dass Herr Steinbrück verspricht, Leistungen auf den Prüfstand zunehmen, aber er möge dabei beachten, dass es sich hierbei nicht um eine Geldbeschaffungsmaßnahme für Bund und Länder handelt. Familienpolitik muss primär familienpolitisch diskutiert werden und nicht finanzpolitisch. Zu aller Anfang muss geklärt werden, welches Familienbild der Staat überhaupt möchte. Steht er für eine Assimilierung des Prinzips Patchwork, von Scheidung oder gar Vermeidung von Ehe als Prinzip, – strebt er gleichgeschlechtliche Familien als eine Idealvariante an…, weil sich diese als der relativistisch-hedonistische Mainstream der Gegenwart entpuppt haben? Natürlich geht es um mehr Gleichberechtigung, aber wäre es richtig, im Zeichen des Realismus das Idealbild der Familie sozusagen staatlich zu untergraben??? Wollen wir einen modischen Staat? Muss ein Staat nicht auch ein Ideal vertreten, ein Ideal eben, das vor allem der Papst, das möge man anerkennen, stets angemahnt hat, nämlich ein Bild von Integrität und Verbindlichkeit, ein Leben in dem in der Tat nicht alles relativ ist?

Unsere Gesellschaft krankt daran, dass ihr kaum noch etwas heilig ist. Indem vermeintlich familienpolitisch verbuchbare Haushaltspositionen zum Indikator darüber werden, ob man die Geburtenrate im Land fördert, um vielleicht die Arbeitslosen oder prekär Beschäftigten von morgen zu schaffen, oder Kindertagesstätten als Vorwand benutzt, um mehr Menschen für den Fiskus zu veranlagen, sind Stellvertreterdiskussionen, die die Augen vor der Notwendigkeit eines tiefgreifende, kohärenten und idealorientierten gesamtgesellschaftlichen Konzepts verschließen. Der Staat unserer Gesellschaft ist ein Staat der Optimierer, der den Blick für das Ganze verloren hat. Solange das Auto vor der eigenen Haustüre steht und der nächste Skiurlaub sicher ist braucht es offenbar keine Heiligtümer.

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